HOAI 2009 Gebäude

Siemon-Tabellen: Gebäude

Pauschalhonorare, Teilaufträge, GU-Ausführung, Kündigung Vertragsgegenstand und HOAI sind nicht immer Deckungsgleich: Hilfen zur Einzelbewertung von Planungsleistungen

Die Einzelbewertungen können sowohl für die alte HOAI 1996 als auch für die neue HOAI 2009 Anwendung finden.
Häufig werden kalkulatorische Hilfsmittel zur Bewertung von Planungs- und Überwachungsleistungen bei Teilaufträgen, Pauschalhonorarverträgen, Vertragskündigungen oder für die Bauüberwachung bei Beauftragung von GU-Aufträgen benötigt. Darüber hinaus werden kalkulatorische Hilfsmittel bei Planungs- und Bauverzögerungen in der Praxis erforderlich. Denn in vielen Fällen sind die jeweiligen Leistungsphasen der HOAI und der vereinbarte Vertragsgegenstand unterschiedlich; es gilt immer: Verbindlich ist der tatsächlich vereinbarte Vertragsgegenstand.

Beispiel 1: Erhalten Sie einen Auftrag zur Generalplanung, stellt sich die Frage, ob zur Effektivitätssteigerung verschiedene Einzelleistungen der Subplaner beim Generalplaner gebündelt werden sollen und damit beim Subplaner herauszunehmen sind. So können bei Generalplanungen häufig folgende Einzelleistungen für alle Planbereiche beim Generalplaner angesiedelt werden, was die Herausnahme und Einzelbewertung dieser Einzelleistungen bei den Subplanern (z. B. der Techn. Ausrüstung) zur Folge hat:
– Vorverhandlungen zur Genehmigungsfähigkeit in Lph 2 und Lph 3 bei den Fachplanungen der Techn. Ausrüstung
– Vergleich der Kostenberechnung mit der Kostenschätzung in Lph 3 für alle Planbereiche
– Kostenvergleich des Kostenanschlages mit der Kostenberechnung in Lph 7 für alle Planbereiche
– Führen des Bautagebuches in Lph 8 für alle Planbereiche durch den Generalplaner

Diese Auflistung ist nur beispielhaft, je nach Planungsaufgabe ist hier eine individuelle Ermittlung vorzunehmen.
Beispiel 2:
Erhalten Sie einen Auftrag für Planung mit Bauüberwachung mit der Maßgabe, dass die Ausführung von einem GU zum Pauschalfestpreis erfolgen soll, sind häufig bei der Bauüberwachung nicht alle Einzelleistungen aus Leistungsphase 8 erforderlich. Das gemeinsame Aufmaß kann in diesem Fall oft entfallen, aber jedoch nicht ersatzlos wie häufig zu unrecht angenommen wird. Denn fast immer wird übersehen, dass auch bei GU-Aufträgen eine Kontrolle des erbrachten Leistungsstandes erforderlich ist z.B. bei der Prüfung von Abschlagsrechnungen zur Vermeidung von Überzahlungen, die im Konkursfall gelegentlich zu Schadensersatzforderungen gegen das bauüberwachende Büro herangezogen werden.

Tipp:
Auch bei GU-Aufträgen können leistungsorientierte Einzelleistungen nicht ersatzlos wegfallen, prüfen Sie jeden Einzelfall.

In allen Fällen ist eine Einzelbetrachtung erforderlich.
Das geistige Werk der Planung und Überwachung ist sehr viel enger vernetzt, als die tabellarische Auflistung und Bewertung der Einzelleistungen vermuten lässt. Deshalb ist nur eine integrierte Betrachtung möglich, was schnell dazu führt, dass verschiedene Einzelleistungen nur gemeinsam mit anderen Einzelleistungen erbracht und auch bewertet werden können.

Im Beispiel 2 muss im Rahmen der Teilleistung Rechnungsprüfung außerdem ein Teil der Teilleistung Gemeinsames Aufmaß erhalten bleiben, nämlich die Kontrolle des erzielten Leistungsstandes als Grundlage zur Freigabe von Abschlagsrechnungen des GU.

Die Bewertung von Einzelleistungen muss somit immer auf das jeweilige Projekt individuell bezogen erfolgen, darf also nicht nur schematisch nach den Tabellen erfolgen. Die Tabellen dienen dazu jedoch als wertvolle Bewertungshilfe. Sie basieren auf umfangreichen Erfahrungen aus fast 250 Verträgen und Abwicklungen.

Pauschalhonorarvereinbarungen und Bauen im Bestand

Die nachfolgenden Einzelbewertungen können auch bei Pauschalhonorarverträgen selbstverständlich angewendet werden. Dabei ist jedoch bei der Einzelbewertung darauf zu achten, welche Leistungen in der Pauschale überhaupt enthalten sind und welche nicht. Hatten Sie außer den Grundleistungen weitere besondere Leistungen (z.B. Bestandsaufnahme …) vertraglich im Rahmen eines Pauschalhonorars vereinbart, sind diese besonderen Leistungen in die Bewertung des Leistungsstandes einzubeziehen. Damit erhöhen sich dann die %-Punkte.

Bewertungstabellen sind kein Planer-Leistungsverzeichnis.

Nicht anwendbar sind die nachfolgenden Tabellen als „Leistungsverzeichnis“ für Planungsleistungen, um im Abgleich zur Leistung evtl. eine spätere Rechnungskürzung beim Honorar vorzunehmen, falls die eine oder andere Einzelleistung, trotz erzielten Erfolges, nicht notwendig war. Beispiel: eine ordnungsgemäße Bauüberwachung kann auch ohne Bautagebuch möglich sein, was zur Folge hat, dass dafür kein Honorarabzug erfolgen darf.

Erstmalige Veröffentlichung für die Planbereiche Tragwerkplanung und Technische Ausrüstung.

Nachstehend sind die Bewertungstabellen für die Planbereiche Architektenleistungen, Leistungen der Tragwerkplanung und Leistungen der Technischen Ausrüstung (ELT, RLT, Heizg., GWA, Mediz.-Technik, Küchentechnik). Für die letztgenannten Bereiche handelt es sich um eine Erstveröffentlichung. Tabelle zur Bewertung gemäß § 15 HOAI(a.F.) bzw. Anlage 11 (HOAI n.F.)
Bei Freianlagen sind die Leistungen in LPH 2 und LPH 4 gesondert individuell zu bewerten und entsprechend zu berücksichtigen (von/bis – Werte). Bei den anderen Leistungen ergeben sich somit Verschiebungen und Abweichungen zu den Anhaltswerten bei Gebäuden.

1.

Grundlagenermittlung

1.1 Klären der Aufgabenstellung 1,0-2,8
1.2 Beraten zum gesamten Leistungsbedarf
1.3 Formulieren von Entscheidungshilfen für die Auswahl anderer an der Planung fachlich Beteiligter 0,3-0,5
1.4 Zusammenfassen der Ergebnisse 0-0,5
Volle Leistung 3,0
2.

Vorplanung (Projekt- und Planungsvorbereitung)

2.1 Analyse der Grundlagen 0,2-0,6
2.2 Abstimmen der Zielvorstellung (Randbedingungen, Zielkonflikte)
2.3 Aufstellen eines planungsbezogenen Zielkatalogs (Programmziele) 0,2-0,3
2.4 Erarbeiten eines Planungskonzeptes einschließlich Untersuchung der alternativen Lösungsmöglichkeiten nach gleichen Anforderungen mit zeichnerischer Darstellung, Strichskizzen, gegebenenfalls mit erläuternden Angaben 2,8-3,5
2.5 Integrieren der Leistungen anderer an der Planung fachlich Beteiligter
2.6 Klären und Erläutern der wesentlichen städtebaulichen, gestalterischen, funktionalen, technischen, bauphysikalischen, wirtschaftlichen, energiewirtschaftlichen (zum Beispiel hinsichtlich rationeller Energieverwendung und der Verwendung erneuerbarer Energien) und landschaftsökologischen Zusammenhänge, Vorgänge und Bedingungen, sowie der Belastung und Empfindlichkeit der betroffenen Ökosysteme 2.5 und 2.6: 1,0-1,5
2.7 Vorverhandlungen mit Behörden und anderen an der Planung fachlich Beteiligten über die Genehmigungsfähigkeit 0,4-1,0
2.8 – entfällt – (nur bei Freianlagen)
2.9 Kostenschätzung nach DIN 276 oder nach dem wohnungsrechtlichen Berechnungsrecht 0,8-1,0
2.10 Zusammenstellen aller Vorplanungsergebnisse 0,1-0,5
Volle Leistung 7,0
3.

Entwurfsplanung (System- und Integrationsplanung)

3.1 Durcharbeiten des Planungskonzeptes (stufenweise Erarbeitung einer zeichnerischen Lösung) unter Berücksichtigung städtebaulicher, gestalterischer, funktionaler, technischer, bauphysikalischer, wirtschaftlicher, energiewirtschaftlicher (zum Beispiel hinsichtlich rationeller Energieverwendung und der Verwendung erneuerbarer Energien) und landschaftsökologischer Anforderungen unter Verwendung der Beiträge anderer an der Planung fachlich Beteiligter bis zum vollständigen Entwurf 2,0 -3,5
3.2 Integrieren der Leistungen anderer an der Planung fachlich Beteiligter in 3.1 enth.
3.3 Objektbeschreibung mit Erläuterung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen nach Maßgabe der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung 0,2-0,8
3.4 Zeichnerische Darstellung des Gesamtentwurfs, zum Beispiel durchgearbeitete, vollständige Vorentwurfs- und/oder Entwurfszeichnungen (Maßstab nach Art und Größe des Bauvorhabens), gegebenenfalls auch Detailpläne mehrfach wiederkehrender Raumgruppen 5,0-6,0
3.5 Verhandlungen mit Behörden und anderen an der Planung fachlich Beteiligten über die Genehmigungsfähigkeit 0,5-1,0
3.6 Kostenberechnung nach DIN 276 oder nach dem wohnungsrechtlichen Berechnungsrecht und 0,8-1,5
3.7 Kostenkontrolle durch Vergleich der Kostenberechnung mit der Kostenberechnung mit der Kostenschätzung
3.8 Zusammenfassung aller Entwurfsunterlagen 0,2-0,4
Volle Leistung 11,0
4.

Genehmigungsplanung

4.1 Erarbeiten der Vorlagen für die nach den öffentlich-rechtlichen Vorschriften erforderlichen Genehmigungen oder Zustimmungen einschließlich der Anträge auf Ausnahmen und Befreiung unter Verwendungen der Beiträge anderer an der Planung fachlich Beteiligter sowie noch notwendiger Verhandlungen mit Behörden 4,5-5,5
4.2 Einreichen dieser Unterlagen in 4.1 enth.
4.3 Vervollständigen und Anpassen der Planungsunterlagen, Beschreibungen und Berechnungen unter Verwendung der Beiträge anderer an der Planung fachlich Beteiligter 0,5-1,5
4.4 – entfällt – (nur bei raumbildenden Ausbauten)

Volle Leistung 6,0
5.

Ausführungsplanung

5.1 Durcharbeiten der Ergebnisse der Leistungsphasen 3 und 4 (stufenweise Erarbeitung und Darstellung der Lösung) unter Berücksichtigung städtebaulicher, gestalterischer, funktionaler, technischer, bauphysikalischer, wirtschaftlicher, energiewirtschaftlicher (zum Beispiel hinsichtlich rationeller Energieverwendung und der Verwendung erneuerbarer Energien) und landschaftsökologischer Anforderungen unter Verwendung der Beiträge anderer an der Planung fachlich Beteiligter bis zur ausführungsreifen Lösung 4,0-7,0
5.2 Zeichnerische Darstellung des Objekts mit allen für die Ausführung notwendigen Einzelangaben, zum Beispiel endgültige, vollständige Ausführungs-, Detail- und Konstruktionszeichnungen im Maßstab 1:50 bis 1:1, mit den erforderlichen textlichen Ausführungen 14,0-16,0
5.3 – entfällt – (nur bei raumbildenden Ausbauten)
5.4 Erarbeiten der Grundlagen für die anderen an der Planung fachlich Beteiligten und Integrierung ihrer Beiträge bis zur ausführungsreifen Lösung 1,5-2,5
5.5 Fortschreiten der Ausführungsplanung während der Objektausführung 1,5-3,0
Volle Leistung 25,0
6.

Vorbereitung der Vergabe

6.1 Ermitteln und Zusammenstellen von Mengen als Grundlage für das Aufstellen von Leistungsbeschreibungen unter Verwendung der Beiträge anderer an der Planung fachlich Beteiligter 3,0-4,5
6.2 Aufstellen von Leistungsbeschreibungen mit Leistungsverzeichnissen nach Leistungsbereichen 5,0-6,5
6.3 Abstimmen und Koordinieren der Leistungsbeschreibungen der an der Planung fachlich Beteiligter 0,5-1,0
Volle Leistung 10,0
7.

Mitwirkung bei der Vergabe

7.1 Zusammenstellen der Verdingungsunterlagen für alle Leistungsbereiche 0,2-0,4
7.2 Einholen von Angeboten 0,0-0,2
7.3 Prüfen und Werten der Angebote einschließlich Aufstellen eines Preisspiegels nach Teilleistungen unter Mitwirkung aller während der Leistungsphasen 6 und 7 fachlich Beteiligten 1,5-2,0
7.4 Abstimmen und Zusammenstellen der Leistungen der fachlich Beteiligten, die an der Vergabe mitwirken 0,2-0,4
7.5 Verhandlung mit Bietern 0,4-0,6
7.6 Kostenanschlag nach DIN 276 aus Einheits- oder Pauschalpreisen der Angebote und
7.7 Kostenkontrolle durch Vergleich des Kostenanschlags mit der Kostenberechnung 0,4-0,8
7.8 Mitwirken bei der Auftragserteilung 0,2-0,5
Volle Leistung 4,0
8.

Objektüberwachung (Bauüberwachung)

8.1 Überwachen der Ausführung des Objekts auf Übereinstimmung mit der Baugenehmigung oder Zustimmung, den Ausführungsplänen und den Leistungsbeschreibungen sowie mit den allgemein anerkannten Regeln der Technik und den einschlägigen Vorschriften 7,0-9,5
8.2 Überwachen der Ausführung von Tragwerken nach § 63 Abs. 1 Nr. 1 und 2 auf Übereinstimmung mit dem Standsicherheitsnachweis 2,5-5,0
8.3 Koordinieren der an der Objektüberwachung fachlich Beteiligten 1,0-1,5
8.4 Überwachung und Detailkorrektur von Fertigteilen 0,0-0,5
8.5 Aufstellen und Überwachen eines Zeitplanes (Balkendiagramm) 0,5-1,5
8.6 Führen eines Bautagebuches 0,1-0,7
8.7 Gemeinsames Aufmass mit den bauausführenden Unternehmen 3,0-4,5
8.8 Abnahme der Bauleistungen unter Mitwirkung anderer an der Planung und Objektüberwachung fachlich Beteiligten unter Feststellung von Mängeln³ 1,0-2,0
8.9 Rechnungsprüfung 4,5-6,5
8.10 Kostenfeststellung nach DIN 276 oder nach dem wohnungsrechtlichen Berechnungsrecht 0,7-1,5
8.11 Antrag auf behördliche Abnahme und Teilnahme daran 0,2-0,5
8.12 Übergabe des Objekts einschließlich Zusammenstellung und Übergabe der erforderlichen Unterlagen, zum Beispiel Bedienungsanleitungen, Prüfprotokolle 0,2-0,5
8.13 Auflisten der Gewährungsfristen 0,2-0,5
8.14 Überwachen der Beseitigung der bei der Abnahme der Bauleistungen festgestellten Mängel 1,0-1,5
8.15 Kostenkontrolle durch Überprüfung der Leistungsabrechnung der bauausführenden Unternehmen im Vergleich zu den Vertragspreisen und dem Kostenanschlag 1,0-2,5
Volle Leistung 31,0
9.

Objektbetreuung und Dokumentation

9.1 Objektbegehung zur Mängelfeststellung vor Ablauf der Verjährungsfristen der Gewährleistungsansprüche gegenüber den bauausführenden Unternehmen 0,5-1,0
9.2 Überwachen der Beseitigung von Mängeln, die innerhalb der Verjährungsfristen der Gewährleistungsansprüche, längstens jedoch bis zum Ablauf von fünf Jahren seit Abnahme der Bauleistungen auftreten 0,5-1,5
9.3 Mitwirken bei der Freigabe von Sicherheitsleistungen 0,2-0,6
9.4 Systematische Zusammenstellung der zeichnerischen Darstellungen und rechnerischen Ergebnisse des Objekts 0,5-1,0
Volle Leistung 3,0